BERICHT VOM MARATHON
BEI DEN EUROPAMEISTERSCHAFTEN DER SENIOREN/SENIORINNEN
IN POTSDAM


25. August 2002


Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit fanden in Potsdam 10 Tage lang die Europameisterschaften der SeniorInnen statt, die unter anderem mit dem Marathonlauf zu Ende gingen.

Hier mein subjektiver Bericht vom Marathon:

2 Monate lang vorher:
Training nach "Greif". Täglich Training, lange und relativ schnelle Läufe. Manchmal kaum durchzuhalten - ohne meine beiden Trainigsfreunde (und ab und zu Fluchen) schon gar nicht. Wir heißen mittlerweile schon "Trio gnadenlos". Ziel: Marathon in 2:59:59.

4 Uhr:
Mein Wecker klingelt. Ich kann jetzt bestätigen, dass es um diese Zeit noch dunkel ist. Ich futtere Grießbrei (alte DDR Marathonempfehlung!) - und werde wohl fortan bis auf Weiteres auf diese Speise verzichten.

6 Uhr:
Ich stehe am Startplatz in Potsdam. Bis auf ein paar Personen nichts zu sehen. Schon gar nicht, dass hier in zwei Stunden ein Marathonstart stattfinden soll. Doch um 7:30 ist wirklich alles aufgebaut.

7:30 Uhr:
Startaufstellung nach Laufzeit. Ich bin mal wieder überrascht, wie wenig dieser Apell nützt. Viele der Leute in den vorderen Reihen laufen mit Sicherheit nicht mal eine 3:30.

8 Uhr:
Startschuss mit einer alten Kanone. Das Ding ist so tierisch laut, dass wirklich keiner den Start verpasst.

Km 0.5:
Meine Trainigsfreunde Claus und Daniel sprinten los. Wollten wir nicht verhalten angehen? Aber Claus erlebt einen "Lauffrühling" und ist nicht zu bremsen.

Km 3:
Ein Freund aus Kreuzberg (!!) feuert mich an. Extra früh aufgestanden und bleibt bis zum Zieleinlauf. Einfach suuuper!

Km 4:
Ich entdecke eine Abkürzung. Nur 800m bis zum Ziel, aber leider führt die Strecke hier noch 2x vorbei.

Km 5:
Ich laufe wieder zu meinen Freunden auf. Auch weiterhin kein "verhaltenes" Tempo.

Km 7 (auch Km 25):
Wer stellt an solch einer Stelle eine Steigung auf? Da geht es einem in der 2.Runde doch eh schon schlecht! Die Hitze beginnt.

alle 2.5 Km:
Phantastisch organisierte Getränkestellen! Wasser und Schwämme in Hülle und Fülle. Ich wusste gar nicht, dass nasse Schwämme eine solche Wohltat sein können.

Km 21:
1:28:00! Wahnsinns Tempo, aber noch immer geht alles gut!

Km 23:
Nicht vielleicht doch die Abkürzung? Nein, wir gehen mit unserem schnellen Schritt auf die
2. Runde

Km 30:
Es ist wahnsinnig heiß, der Mann mit dem Hammer sitzt wohl auch lieber im Schatten. Ich kann mir eine freudige Geste nicht verkneifen, bin ich bei diesem Kilometer doch in Hamburg hart von ihm getroffen worden.

Km 35:
Jetzt werden die Beine schwer. Aber Greif'sche Endbeschleunigung im Trainig und der unerbittlich "beißende" Claus treiben uns weiter. Leider haben wir unseren Trainingsfreund Daniel und Imke vom Post SV Berlin, mit der wir lange liefen, verloren.

Km 38:
Die Abzweigung nach rechts in Richtung Potsdam und Ziel will nicht kommen. Ich glaube, jemand hat für die zweite Runde ein größeres Stück Straße zusätzlich eingefügt.

Km 41:
Ich "beiße" und will Claus überreden, alleine schneller weiter zu laufen. Doch er lehnt ab. Leider bekommt er kurz darauf Muskelprobleme, so dass er langsamer laufen muss. Mit einen eindeutigen "Lauf weiter" verbietet er mir, ebenfalls abzubremsen. Schade, ich hatte mich auf einen gemeinsamen Zieleinlauf gefreut.

Ziel:
Einlauf ins Stadion. Mist: noch eine 3/4 Stadionrunde zu laufen. Ich könnte zusammenbrechen! Dann kurz vor dem Ziel sehe ich die Uhr und mache noch einen Endspurt. Ich bin deutlich unter 3 Stunden geblieben! Mein Freudentanz wird allerdings durch meinen Magen jäh und viel zu früh beendet. Der restliche Grießbrei nimmt mir den Endspurt ziemlich übel.

Nach dem Ziel:
Ich dachte immer der Mensch ist kein Kamel - aber jetzt werde ich eines Besseren belehrt: ich schütte Unmengen an Wasser in mich hinein. Jetzt erfahre ich auch, dass mein Kampf mit dem Grießbrei nicht umsonst war: meine Uhr steht bei: 2:56:59. Ich bin grenzenlos happy.
Claus hat es ebenfalls in einer tollen Zeit (2:57:20) geschafft und wird in seiner Altersklasse Vierter, nur knapp hinter dem Bronzemedaillengewinner.
Imke wird ebenso wie ihr Ehemann Vize-Europameister/in. Sie sind wohl das schnellste Marathon-Ehepaar Europas !!
Einziger bitterer Wermutstropfen ist die (eigentlich ebenfalls tolle) Zeit von Daniel: 3:00:02. Drei Sekunden zuviel! Ist das nicht grausam?



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